Gute Antworten brauchen richtige Fragen

Sie schreiben eine Seminararbeit, einen Artikel oder einen wissenschaftlichen Beitrag im Bereich Kinder- und Jugendliteratur und wollen die besten und schnellsten Wege kennenlernen, dafür an digitale Informationen zu kommen?  Sie brauchen Hilfestellung dabei, qualitative Quellen von weniger vertrauenswürdigen zu unterscheiden und wirklich relevante Fachliteratur zu finden? Dann laden wir Sie herzlich zu unserer zweistündigen Fortbildungsveranstaltung für Studierende und alle am Thema Interessierten ein!
Nähere Infos finden Sie unter: www.jugendliteratur.at

Wann? Mittwoch, 7. November 2018, 14.00 – 16.00
Wo? Kinderliteraturhaus, Mayerhofgasse 6, 1040 Wien
Voranmeldungen unter office@jugendliteratur.at bis zum 31. Oktober 2018 erbeten.
Die Teilnahme ist kostenlos!


Ein Nachtrag zum Symposium „Retten uns die Phänomene? – Lehren und Lernen im Zeitalter der Digitalisierung“ am Zentrum für LehrerInnenbildung der Universität Wien vom 28.02. – 01.03.2018.

Mit diesem Hölderlin-Zitat setzte Frederking nicht nur eine wohltuende kritische Note in Bezug auf den Titel des Symposiums, sondern gab zugleich seinen Ausführungen einen anspruchsvollen Fluchtpunkt. Besonders überzeugend – und damit als Rettendes durchaus zu gebrauchen – war für mich die systematische Ausdifferenzierung von „personaler fachlicher Bildung“ (Digitalisierung als Phänomen) und „funktionaler fachlicher Bildung“ (Phänomene der Digitalisierung), zumal diese Unterscheidung die oft recht mühsame Diskussion um Kompetenzen versus Bildung zu überwinden vermag.

Für den fachdidaktischen Diskurs skizzierte Frederking dann in seinem Vortrag die Dimensionen der funktionalen fachlichen Bildung nach Norbert Groeben. Im Detail geht es darin um

  • Medienwissen bzw. Medialitätsbewusstsein,
  • medienspezifische Rezeptionsmuster,
  • medienbezogene Genussfähigkeit,
  • medienbezogene Kritikfähigkeit,
  • um die Selektion bzw. Kombination von Mediennutzung,
  • die Ausbildung produktiver Partizipationsmuster
  • und die Fähigkeit zur Anschlusskommunikation.

Frederking selbst ergänzt diese sieben Dimensionen nach Groeben noch um drei Dimensionen zur personalen fachlichen Bildung. Darunter versteht er einen

  • medientheoretisch und medienästhetisch fundierten Rezeptions- und Produktionshorizont,
  • medienkulturgeschichtliches Wissen und Bewusstsein
  • sowie die Ausbildung eines medienreflexiven Selbst- und Weltverhältnisses.

Damit ist meines Erachtens eine umfassende Beschreibung von Medienbildung im Fach Deutsch gegeben, die ausreichend Spielraum lässt, sich sowohl dem Phänomen der Digitalisierung als auch der Digitalisierung als Phänomen im Unterricht zu nähern.


Unter Federführung von Beatrice Müller und Hannes Schweiger (beide Institut für Germanistik der Universität Wien) erschien mit 25.1.2018 eine erhellende „Stellungnahme von Forschenden und Lehrenden des Bereichs Deutsch als Zweitsprache der Universitäten Graz, Innsbruck, Salzburg und Wien zum Bildungsprogramm 2017 bis 2022 der österreichischen Bundesregierung“, an dessen Erstellung sich insgesamt 21 namhafte Expert_innen beteiligten.

Auf Basis aktueller wissenschaftlicher Befunde wird darin vor allem gegen drei von BM Faßmann geplante Maßnahmen Stellung bezogen:

  • die „Deutschklassen“
  • den erschwerten „Übertritt ins Regelschulwesen“ von Kindern mit unzureichenden Deutschkenntnissen
  • die Erhaltung des „differenzierten Schulsystems“, das eine Trennung von Kindern bereits im Alter von zehn Jahren vornimmt.

Ernüchterndes Fazit der Expert_innengruppe: „Insgesamt verstärkt das Bildungsprogramm der Regierung die institutionelle Diskriminierung von Kindern und Jugendlichen mit nicht-deutscher Familiensprache.“ Sie sieht damit die Absichten des Regierungsprogramms im Widerspruch zu Artikel 26 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, in welchem jedem Menschen das „Recht auf Bildung“ zugesprochen wird.

Die Stellungnahme endet mit einem Forderungskatalog, der nicht nur konkret sondern auch evidenzbasiert ist.

Man darf gespannt sein, wie der Wissenschafter Faßmann mit diesen wissenschaftlichen Fakten realpolitisch umzugehen gedenkt. Mein Dank gebührt den Autor_innen dieser klaren Stellungnahme, die die öffentliche Diskussion zu diesem Thema auf ein anderes Niveau gehoben hat!

Download der Stellungnahme (PDF)

Rückfragen an beatrice.mueller@univie.ac.at oder hannes.schweiger@univie.ac.at.