Wenn ich als Lehrer in einer WMS jene verkürzte Standardaufforderung für die Mittagspause gehört habe, in der das Wort „Park“ vorkam, dann konnte es sich hierbei nur um die sinnvolle Aufforderung handeln, endlich (nach sechs Stunden sitzen) dem runden Leder hinterher zu jagen oder einfach irgendwie an der frischen Luft abzuhängen.
Nun zeigt die langjährige Initiative „Lesen im Park“ des Instituts für Kinder und Jugendliteratur immer wieder aufs Neue, dass der Park generell auch als Ort zur (Erst)begegnung mit Literatur taugt. Eine geniale und sehr schlüssige Idee, die gut zu den Ambitionen des Österreichischen Rahmenleseplans passt. Ein ausführlicher Bericht zum Projekt auf orf-online unter „Wie Kinder Lust aufs Lesen bekommen„.

Michael Gros vom LPM Saarland machte mich auf folgendes Interview mit Frank Thissen auf Smart Classroom Learning aufmerksam. Der Titel „Schule im Jahr 2030 – ein Interview mit Prof. Dr. Frank Thissen“ klingt nicht gerade nach einem Aufreger, doch was Thissen hier in knapp 1000 Wörtern wiedergibt, ist nichts weniger als eine radikale Aufkündigung unserer konventionellen Vorstellung von Schule.

Klar, von tiefgreifenden Schulreformen spricht man auch hierzulande viel. Doch Thissen bringt es auf den Punkt:

„Die größte Herausforderung besteht darin, dass wir uns zur Zeit keine andere Schule als die herkömmliche, die wir seit dem vorletzten Jahrhundert kennen, vorstellen können. Ich bin allerdings davon überzeugt, dass  Kosmetik an unserem Schulsystem nicht weiterhilft und wir Schule im 21st Jahrhundert vollkommen neu denken müssen.“

Den Grund für den notwendigen radikalen Bruch sieht er naheliegend im technologisch gesellschaftlichen Wandel. Doch Thissen ist kein Bote digitaler Seligkeit, sondern bildungspolitischer Real-Humanist, falls es so etwas geben kann. Seinen Bildungsbegriff für das 21. Jahrhundert formuliert er folgendermaßen:

„Bildung hat etwas mit Reflexion, Verantwortung, Stellung nehmen und einem Wissen um kulturelle Werte und Errungenschaften der Menschheit zu tun. Sie basiert auf einem humanistischen Weltbild, das seine Wurzeln und deren Ausprägungen in der Kultur kennt. Sie strebt die Entwicklung und Förderung einer ganzheitlichen Persönlichkeit an.“

Doch:

„Schulen als geschützten Raum anzusehen, der vor diesen Veränderungen bewahrt, halte ich für verantwortungslos. Vielmehr gilt es, einen kritischen Umgang mit diesen Veränderungen in der Schule einzuüben.“

Dass dieser unvermeidliche neue Zugang auch in die Ausbildung der Lehrer_innen von morgen Einzug halten muss, scheint nur allzu schlüssig.

Selten habe ich bei einem Interview so dauerhaft zustimmend genickt wie bei diesem.